BUNDESWEITES MEMORANDUM JUGENDHILFE (PDF DOWNLOAD)
BUNDESWEITES MEMORANDUM (UNTERSCHRIFTEN LISTE)
Donnerstag, 24. September 2015
AUFRUF ZUR ZEICHNUNG DES MEMORANDUM JUGENDHILFE
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
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BUNDESWEITES MEMORANDUM JUGENDHILFE
Liebe KollegInnen und InteressentInnen einer kritischen Sozialen Arbeit,
Wir sind ein Zusammenschluss von Personen, die sich einsetzen für eine starke und nachhaltige Kinder- und Jugendhilfe nach dem SGB VIII. Angesichts der gegenwärtigen problematischen Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe rufen wir auf zu einem bundesweiten Memorandum in der Kinder- und Jugendhilfe.
Das Bündnis Kinder- und Jugendhilfe – für Professionalität und Parteilichkeit (www.buendnis-jugendhilfe.de) wehrt sich bereits seit geraumer Zeit mit aller Kraft gegen die Fehlentwicklungen in der bundesweiten Jugendhilfe. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, mit diesem Aufruf ein deutliches Zeichen zu setzen und bitten um die Weiterleitung des Aufrufes für das Memorandum. Es geht uns darum, diese Aktion maximal bekannt zu machen und öffentlich zu diskutieren.
Das, was in der Kinder- und Jugendhilfe derzeit passiert, wird von der (Fach)-Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen. Deshalb ist es aus unserer Sicht wichtig, alle kritischen Kräfte auf diese Entwicklungen aufmerksam zu machen und zur Gegenwehr aufzurufen.
Seinerzeit wurde mit dem KJHG von 1990 entsprechend der politischen und fachlichen Kritik an der Kontroll- und Eingriffsorientierung des vorherigen Jugendwohlfahrtsgesetzes ein Angebote- und ‘Leistungsgesetz’ für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern geschaffen, das ausdrücklich auf Unterstützung und Hilfsangebote setzt. Dieser bedeutsame Paradigmenwechsel in der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland wird nun systematisch durch die Ökonomisierung zerstört. Die Arbeitsbedingungen für die MitarbeiterInnen werden ständig problematischer. Überlastung durch zu hohe Fallzahlen und der Zwang zu Arbeitsmethoden, die nicht sozialer Beziehungs-Arbeit entsprechen, führen zu unerträglichen Arbeitsbedingungen, die man u. a. am hohen Krankenstand ablesen kann. Darüber hinaus greift eine zunehmende Deprofessionalisierung um sich. Bei den Betroffenen kommen sehr oft unzureichende Hilfe, ungeeignete, aber billigere Angebote oder auch gar keine Hilfen an.
Was derzeit in der Kinder- und Jugendhilfe stattfindet, ist im Kleinen genau das, was den gesamtgesellschaftlichen Prozess der Entmündigung, Entdemokratisierung und Vermarktung widerspiegelt. Es ist wichtig, dass wir der Öffentlichkeit und den politischen Vertreterinnen deutlich machen, dass wir mit der gegenwärtigen Politik nicht einverstanden sind.
Wenn Sie sich diesem Memorandum anschließen möchten, dann unterschreiben Sie bitte auf unserer Webseite (http://www.memorandumjugendhilfe.de) und leiten Sie diese Mail innerhalb Ihrer Netze weiter.
Wer sich aktiv einbringen will, kann uns gerne eine Mail schreiben info@memorandumjugendhilfe.de .
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
um
18:38:00
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Mittwoch, 20. August 2014
2. Berliner Arbeitstagung kritische Soziale Arbeit ! Einmischen – Strategien und Gegenwehr
Hier die Einladung unserer Bündnispartner aus Berlin zu Ihrer Arbeitstagung!
Sehr zu empfehlen !
Anmelden!
Aufstehen!
Vernetzen!
Dabei sein !

Die Tagung versteht sich als Fortsetzung und Weiterentwicklung der Tagung vom Juni 2011. ‚Aufstehen – Widersprechen – Einmischen. Gemeinsame Wege aus der neoliberalen Falle‘. Dabei stand die Analyse der gegebenen Verhältnisse in der Sozialen Arbeit im Vordergrund und wir haben erste Überlegungen angestellt, wie wir diesen Zumutungen und Verwerfungen gemeinsam begegnen könnten (vgl. Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit
2012).
• In der Zwischenzeit hat sich viel getan auf der Bühne der kritischen Sozialen Arbeit.
Der Widerstand regt sich an Hochschulen und in der Praxis.
• Dennoch gibt es sehr viele Kolleg/inn/en, die zu den Verhältnissen schweigen bzw. sich mit der
neoliberalen Sozialpolitik arrangiert haben.
• Gleichzeitig haben sich die Bedingungen für unsere Klient/inn/en und auch für uns in vielen Städten und Gemeinden noch zugespitzt. Wir leiden massiv unter prekären Arbeitsbedingungen, Überlastung und fachlich unzumutbaren Anforderungen und Strukturen.
• An einigen Stellen werden diese Bedingungen inzwischen an die Öffentlichkeit getragen und deutlich problematisiert. Wir solidarisieren uns z. B. mit den Kolleg/inn/en der Berliner
Jugendämter, die derzeit mit Aktionen auf ihre Lage aufmerksam machen.
Es ist an der Zeit, uns erneut auszutauschen und uns gegenseitig unserer Solidarität und unserer Kraft zu versichern:
Ziel unserer Tagung ist es, den Prozess der Kritik und des aktiven Aufbegehrens innerhalb der Sozialen Arbeit voranzubringen, gemeinsam Ideen für konkrete Gegenwehr zu entwickeln, uns gegenseitig über Erfolge und Strategien zu informieren und uns und unsere widerständige Arbeit weiter zu vernetzen. Dafür brauchen wir alle solidarischen Kräfte, alle KollegInnen aus Praxis und Wissenschaft und alle Studierenden, die wie wir so nicht mehr weitermachen wollen.
Zum Tagungsverlauf:
Die folgenden Vorträge leiten die Tagung ein:
„Machtverhältnisse und Interessenskonflikte in der Sozialen Arbeit heute“ (Dagmar Paternoga | attac, Soltauer Initiative)
„Was bedeutet ‚politisch sein‘ in der Sozialen Arbeit?“ (Mechthild Seithe | UFo, Soltauer Initiative)
Ein weiterer Impulsvortrag von Frigga Haug ist geplant.
Im Fokus der Tagung stehen etwa zehn Workshops, in denen Bedingungen der Sozialen Arbeit kritisch reflektiert und konkrete Ansätze der Gegenwehr zur Diskussion gestellt werden.
Der zweite Tag beginnt mit dem Vortrag „Soziale Arbeit als Teil der Bewegung für gesellschaftliche
Gerechtigkeit“ (Maren Schreier | AKS, BISA, BBSA).
Am Ende der Tagung steht ein ausführliches Abschlussplenum, bei dem Ergebnisse vorgestellt, Vernetzungen eingeleitet und zukünftige Projekte geplant werden können.
Jetzt anmelden und weitere Infos über Workshops und Programm bei: www.einmischen.info - privat
Wir sehen uns in Berlin!
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
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Donnerstag, 16. Mai 2013
Mahnwache zur Sitzung der Jugend- und Familienministerkonferenz am 6. Juni ab 11.30 am Stadtschloss in Fulda, Schlossstr. 1
Wir, die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, die Studierenden und Lehrenden im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, die Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe und alle an ihr Interessierten mahnen, die fachlichen und gesetzlichen Grundlagen der Kinder- und Jugendhilfe nicht länger ausschließlich Kürzungszwängen und einer an ökonomisierten Interessen ausgerichteten Kinder- und Jugendhilfepolitik auszuliefern.
Wir treten ein
- für eine behutsame Weiterentwicklung und Stärkung des Netzwerkes in den verschiedenen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe (Kita, Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Jugendschutz, Hilfen zur Erziehung) sowie eine Verbesserung der Schnittstellen der Kinder- und Jugendhilfe zu den Bereichen Schule, Gesundheit und Kultur.
- für die Sicherung des gesetzlichen Anspruches auf Hilfen zur Erziehung für Kinder, Jugendliche und deren Familien
- für eine angemessene Entlohnung einer hoch qualitativen Arbeit der Fachkräfte
Die Kinder- und Jugendhilfe ist kein Tummelplatz für Sparkommissare, Betriebswirtschaftler und Verwaltungsfachkräfte, welche hinter glänzenden Fassaden die fachlichen Grundlagen unserer Arbeit aushöhlen.
Am Do., den 6. Juni 2013 ab 11.30 am Stadtschloss Fulda, Schlossstr. 1 in Fulda
Flugblatt zur Mahnwache
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
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14:01:00
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Donnerstag, 28. März 2013
Die Kinder- und Jugendhilfe am Scheideweg
Kooperationsveranstaltung zwischen dem Bündnis Kinder- und Jugendhilfe und der Hochschule Stendal.
Am Donnerstag, 11. April 2013 um 10.00 Uhr wird im Audimax der Hochschule Magdeburg-Stendal,
Osterburger Str. 25 in Stendal die o. g. Veranstaltung zum Thema:
"Die
Kinder- und Jugendhilfe am Scheideweg" stattfinden.
Alle, die nicht
teilnehmenn können, haben die Möglichkeit, die Veranstaltung per Livestream -
zu verfolgen oder die Aufzeichnung später anzusehen. Genauere Informationen dazu werden noch folgen bzw. im Blog des Bündnis Kinder- und Jugendhilfe www.buendnis-jugendhilfe.de nachzulesen sein.
Bitte verteilen Sie die Information über diese, als Ringvorlesung angelegte Veranstaltung in Ihren jeweiligen Netzwerken weiter.
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
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12:37:00
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Mittwoch, 13. März 2013
VIELEN ! VIELEN DANK AN ALLE AKTIVEN !! MAHNWACHE WJH
Das erste Foto der Mahnwache !
Die ersten Mahnerinnen und Mahner nehmen Aufstellung zur Mahnwache vor dem Verwaltungsgericht der Stadt Hamburg und zeigen ihren Protest gegen das Verwaltungshandeln in der Hansestadt und die Umsteuerungen und Aushöhlungen des KJHG, der Jugendhilfe und der Sozialen Arbeit.
An dieser Stelle dankt die WJH allen Aktiven, die sich an der heutigen Mahnwache beteiligt haben und dem winterlichen Wetter getrotzt haben.
Die Widerstand und der Einsatz für eine wirkungsvolle Jugendhilfe bleibt bestehen.
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
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Flyer zur Mahnwache am 13.03.2013
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
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Mittwoch, 20. Februar 2013
WJH RELOAD / Prozessbeginn in Hamburg am 13.303.2013
Liebe LeserInnen unseres Blogs!
Lange war es still und stumm auf diesen Seiten. Aber Still und Stumm war es nicht im realen Leben. Wir haben die Zeit genutzt um Kräfte zu sammeln, um uns mit vielen Kolleginnen und Kollgen bundesweit auszutauschen und zu vernetzen.
Aktiv waren und sind wir im Bündnis Kinder- und Jugendhilfe und auch hier berichten die Akteure von immer weitergehenden Aushöhlungen in der Jugendhilfe.
Dieser Prozess welcher immer weiter die Fachlichkeit, die Ethik und die Professionalität unserer Profession untergräbt und für gesellschaftspolitische Erosionen sorgt muss beendet werden.
Ein Hamburger Träger hat sich einem Teilaspekt des ganzen im Rahmen einer Verwaltungsklage angenommen.
Die Verwaltung scheint im Alltag vieler Akteure in der Jugendhilfe ein großer Einflußfaktor zu sein.
Im folgenden findet Ihr eine eingegangene Pressemeldung des Trägers, die wir an dieser Stell einmal vorstellen möchten:
Dies ist aus Sicht der WJH ein Teilaspekt eines fiskalpolitisch motivierten Kahlschlags in der Jugendhilfe und der Sozialpolitik ungeahnten Ausmaß.
Jedoch wollen wir uns zumindest solidarisch erklären und den Prozessauftakt als Anlass nehmen eine Mahnwache in Hamburg abzuhalten und gemeinsam mit dem Bündnis Kinder- und Jugendhilfe für unser gemeinsames Ziel einer Professionellen und Parteilichen Jugendhilfe zu mahnen und einzustehen.
MAHNT MIT UNS AM 13.03.2013 UM 09.00 UHR AM VERWALTUNGSGERICHT HAMBURG LÜBECKERTORDAMM 4.
GRUß WJH
Lange war es still und stumm auf diesen Seiten. Aber Still und Stumm war es nicht im realen Leben. Wir haben die Zeit genutzt um Kräfte zu sammeln, um uns mit vielen Kolleginnen und Kollgen bundesweit auszutauschen und zu vernetzen.
Aktiv waren und sind wir im Bündnis Kinder- und Jugendhilfe und auch hier berichten die Akteure von immer weitergehenden Aushöhlungen in der Jugendhilfe.
Dieser Prozess welcher immer weiter die Fachlichkeit, die Ethik und die Professionalität unserer Profession untergräbt und für gesellschaftspolitische Erosionen sorgt muss beendet werden.
Ein Hamburger Träger hat sich einem Teilaspekt des ganzen im Rahmen einer Verwaltungsklage angenommen.
Die Verwaltung scheint im Alltag vieler Akteure in der Jugendhilfe ein großer Einflußfaktor zu sein.
Im folgenden findet Ihr eine eingegangene Pressemeldung des Trägers, die wir an dieser Stell einmal vorstellen möchten:
![]() | |
| Bei der WJH eingegangene Meldung |
Dies ist aus Sicht der WJH ein Teilaspekt eines fiskalpolitisch motivierten Kahlschlags in der Jugendhilfe und der Sozialpolitik ungeahnten Ausmaß.
Jedoch wollen wir uns zumindest solidarisch erklären und den Prozessauftakt als Anlass nehmen eine Mahnwache in Hamburg abzuhalten und gemeinsam mit dem Bündnis Kinder- und Jugendhilfe für unser gemeinsames Ziel einer Professionellen und Parteilichen Jugendhilfe zu mahnen und einzustehen.
MAHNT MIT UNS AM 13.03.2013 UM 09.00 UHR AM VERWALTUNGSGERICHT HAMBURG LÜBECKERTORDAMM 4.
GRUß WJH
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Montag, 25. Juni 2012
" Träger verklagt Stadt" Artikel aus der TAZ vom 22.06.2012
Träger verklagt Stadt
Jugendhilfeträger stellt Eilantrag bei Gericht: Senator soll Richtlinie zu Sozialraum-Angeboten zurückziehen.von Kaija Kutter
Traurig: Das
reiche Hamburg beschneidet die Unterstützung für bedürftige Kinder. Bild:
dpa
Der
Jugendhilfeträger „Miko“ hat beim Verwaltungsgericht Klage gegen die
Umsteuerung in der Jugendhilfe eingereicht. Per Eilantrag fordert er, die
entsprechende Globalrichtlinie außer Kraft zu setzen. „Wir sehen Grundsätze des
Kinder- und Jugendhilferechts beschädigt“, sagt Geschäftsführer Michael Kolle.
Seit die Sozialbehörde die Jugendämter angewiesen habe, Familien vorrangig an
Sozialräumliche Hilfen und Angebote (SHA) zu verweisen, bekämen viele nicht
mehr die Unterstützung, die sie brauchen.
„Miko“ ist
ein Träger, der unter anderem Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) anbietet,
bei der Familienhelfer Eltern und Kinder im Alltag unterstützen. Mit der
Globalrichtlinie hat SPD-Sozialsenator Detlef Scheele verfügt, dass die Bezirke
SHA-Projekte aufbauen. Die sollen „verbindliche Hilfen“ als Alternative zu
förmlichen Hilfen zur Erziehung (HZE) anbieten und damit Kosten senken. Dafür
handelt die Behörde mit den Bezirken Zielzahlen aus. Auch ist die
Weiterfinanzierung eines SHA-Angebots daran gekoppelt, ob im Umfeld die
HZE-Zahlen sinken.
Diese neue
Art der Steuerung sei rechtswidrig, sagt Professor Knut Hinrichs von der
Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), der für „Miko“ ein Gutachten
erstellte. Denn die Hilfe müsse bedarfsgerecht sein, Klienten hätten ein
Wunsch- und Wahlrecht. Das gebe es nicht mehr, wenn die Verweisung an
Sozialraumangebote Vorrang vor den Einzelfallhilfen erhält.
Unpassende Hilfe
Die
Umsteuerung sei bereits in vollem Gange, sagt Kolle. „Klienten, die früher zu
uns kamen, wird jetzt gesagt: Gehen sie doch zum Beratungsangebot XY.“ Das sei
oft nicht die passende Hilfe und führe zur Verfestigung der Probleme. „Eine
Mutter sagte mir: ’Das schaffe ich nicht mit meinen drei Kindern.‘ Ein halbes
Jahr später rief sie wieder an, nun sei eines der Kinder aus der Familie
genommen worden.“ Der Wegfall ambulanter Hilfen führe zu einem Anstieg bei den
Heimunterbringungen. „Das Ganze wird nur teurer“, sagt Kolle.
Kolles
Vorgehen gilt als mutig, weil er sich mit den potenziellen Auftraggebern
anlegt. Ihm sei, sagt er, am Erhalt des bisherigen Hilfssystems gelegen. Formal
nutzt der Träger für die Klage aber einen anderen juristischen Hebel. Das neue
Finanzierungs- und Steuerungsmodell sei ein Eingriff in die im Grundgesetz
geschützte „Berufsausübungsfreiheit“ und benachteilige die einzelnen, im
Wettbewerb stehenden Träger. Das setzt ihn dem Vorwurf aus, er wolle seine
Pfründe retten.
„Miko“ sei
ein „gewerbliches Unternehmen, das sein Geld mit ambulanten Hilfen zur
Erziehung verdient“, schickt Scheeles Sozialbehörde ihrer Stellungnahme voraus.
Gegen die Globalrichtlinie sei keine Klage zulässig, weil sie keine
Außenwirkung habe und sich ans Bezirksamt richte, sagt Sprecherin Nicole
Serocka. Die Erfolgsaussichten lägen bei „Null“.
Das sieht
Hinrichs anders. Denn wenn Träger bisher gegen Sozialraumsbudgets klagten – was
bereits 2004 in Hamburg der Fall war – bekamen sie Recht. Hinrichs: „In der
Verwaltungsrechtssprechung ist das durchjudiziert.“ Die Entscheidungen dauerten
bis zu ein Jahr.
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
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11:36:00
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Sonntag, 3. Juni 2012
Bündnis Kinder- und Jugendhilfe für Professionalität und Parteilichkeit / Stellungnahme zur Ministerkonferenz in Hannover am 31.05.2012
Wir sind ein Bündnis, das sich aus Fachkräften von der Basis der bundesdeutschen Kinder- und Jugendhilfe, Vertretern aus Forschung und Lehre, von verschiedenen Initiativen, Berufsverbänden und Gewerkschaften zusammensetzt. Uns eint der Wille, den fachpolitischen Diskurs und die fachliche Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe als eine selbstverständliche Aufgabe unserer Profession zu verstehen und umzusetzen.Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass auch wir diese Aufgabe offenbar zu sehr vernachlässigt haben, sodass folgende Problemkonstellation eingetreten ist:Andere Interessengruppen, wie Verwaltungsfachwirte, Kommunal- und Landespolitiker, sowie Ökonomen und speziell Betriebswirtschaftler haben die Profession der Sozialen Arbeit übergangen und im Zuge der neoliberalen Umsteuerung von Staat und Gesellschaft nach und nach die Gestaltungsinitiative in der Kinder- und Jugendhilfe übernommen. Sie haben Konzepte und Strategien aus ihren jeweiligen Bereichen hineingetragen, die weder der Ethik unseres Fachbereiches, noch für dessen nachhaltige Entwicklung dienlich waren. Weder die bisherigen Ergebnisse dieser fremdbestimmten Kinder- und Jugendhilfepolitik, noch die bestehenden Umsteuerungspläne (exemplarisch sei hier das Modell der sog. „verlässlichen Jugendhilfe“ in Hamburg genannt) tragen zu einer substantiellen Hilfe und Unterstützung für Kinder und Jugendliche und ihre Familien bei. Im Gegenteil laufen Eltern und Kinder Gefahr, ihre Rechtsansprüche auf fachliche Hilfe in einer problematischen Situation, wenn überhaupt, dann nur noch bedingt und unter erheblichen Erschwernissen in Anspruch nehmen zu können. Was ihnen bleibt, ist ein ausgedünntes und nicht mehr am Individuum orientiertes Hilfeangebot, das oft genug nicht einmal kurzfristige Hilfe bietet, ganz sicher aber nicht zu einem tiefgreifenden Anstoß eines positiven Entwicklungsprozesses beiträgt.Insbesondere wird nach diesem Konzept eine notwendige Hilfe zur Erziehung verweigert, indem hierfür andere Bereiche der Jugendhilfe herangezogen werden, die dafür nicht geeignet sind, weil sie andere Aufgabenschwerpunkte verfolgen. Das ist ein klarer Rechtsbruch, denn nach dem SGBVIII besteht ein individueller Rechtsanspruch auf Hilfe zur Erziehung „… wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist … „.Das ist aus unserer Sicht unverantwortlich und inakzeptabel. Darüber hinaus erscheint diese Vorgehensweise uns auch volkswirtschaftlich nicht sinnvoll, da die mittel- und langfristigen Kosten einer derart kurzsichtigen Jugendhilfepolitik erheblich sein werden.Die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe stehen in der Praxis aufgrund dieser Fehlpolitik immer öfter vor unlösbaren Aufgaben und Arbeitssituationen. Sie müssen vor dem Hintergrund komplexer werdender Problemlagen junger Menschen und ihrer Familien den daraus resultierenden hohen und wachsenden Bedarfen mit knappen personellen Ressourcen begegnen. Dabei findet unter den zunehmenden ökonomischen Zwängen und eines marktorientierten Wettbewerbs das Fachkräftegebot immer weniger Beachtung. Auch die Arbeitsverträge werden nur noch selten so gestaltet, dass sie den fachlichen Erfordernissen einer an Kontinuität und Verlässlichkeit orientierten Beziehungsarbeit gerecht werden können. Eine solche Jugendhilfe folgt in ihrer Planung, Umsetzung und Evaluation allein Aspekten der Kontrolle und der ökonomischen Wirkungsorientierung. Diese lehnen wir entschieden ab.Unser Bündnis fordert deshalb die Politik in Bund, Ländern und Kommunen auf, sich im Hinblick auf die Weiterentwicklung wieder auf die Fachexpertise derjenigen auszurichten, die diese Arbeit professionell konzeptionieren, gestalten, evaluieren und in Forschung und Lehre wissenschaftlich fortentwickeln.Unser Bündnis setzt sich für eine Kinder- und Jugendhilfe ein, die:
auf dem Grundprinzip der kontinuierlichen Beziehungsarbeit basiert,
sich am Subjekt orientiert, dialogisch und partizipativ ausgerichtet ist, dem Credo der „Hilfe zur Selbsthilfe“ und, wo Eltern mit ihren Kindern in Krisen an den Rand ihrer Möglichkeiten geraten, einer „Hilfe zur Selbstkontrolle“ (Biesel, 2011) folgt,
konsequent an der Umsetzung des geltenden SGB VIII orientiert ist,
eine verlässliche und nachhaltige finanzielle Ausstattung der fachlichen Erfordernisse ermöglicht und garantiert,
der Einhaltung des Fachkräftegebotes folgt,
den Kinderschutz in dem o.g. Sinne definiert, der die Eltern in ihrer Verantwortung belässt und sie zur Umsetzung dieses Schutzes befähigt,
gemeinsam mit den Eltern den jungen Menschen als ein Individuum auf seinem Weg zu einer selbstbewussten und selbstverantwortlichen Persönlichkeit unterstützt und begleitet. Damit die Kinder- und Jugendhilfe das leisten kann, muss sie als Gegenüber in ihrem Selbstverständnis und in ihrer strukturellen Ausgestaltung von diesem Geist getragen sein.Eine solche Kinder- und Jugendhilfe ist nicht zum Nulltarif zu haben. Politik und Gesellschaft, aber auch die Jugendhilfe selbst, sollte sich wieder ihres Wertes und ihrer Bedeutung bewusst werden. Wir erwarten, dass Sie die Professionalität der Berufsgruppe der Sozialarbeitenden in Ihre Debatten einbeziehen.
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
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22:27:00
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Sonntag, 27. Mai 2012
Sozialräumliche Jugendhilfereform in Hamburg – vereinbar mit dem SGB VIII? Rechtsgutachten, Kritik und Umsetzungsmöglichkeiten
Sozialräumliche
Jugendhilfereform in Hamburg
–
vereinbar mit
dem SGB VIII?
Rechtsgutachten,
Kritik und Umsetzungsmöglichkeiten
standpunkt
: sozial Sonderheft 2012
Zu
diesem Sonderheft
Knut
Hinrichs, Michael Kolle und Wilma Simon
Seite 02
Sind
die „Neuen Hilfen/Sozialräumlichen Hilfen und Angebote“ der
Freien und
Hansestadt Hamburg mit den Leitideen des SGB VIII vereinbar?
– Rechtsgutachten,
initiiert durch MIKO Kinder- und Jugendhilfe,Hamburg-Bergedorf
Knut
Hinrichs Seite
05
Zur
Einschätzung der „Neuen Hilfen / Sozialräumlichen Hilfen und Angebote“
aus sozialpädagogischer und jugendhilfepolitischer Sicht
-
Exkurs zum Rechtsgutachten
Jack
Weber Seite 69
Wirkungen
und Auswirkungen einer sozialraumorientierten
(Verwaltungs-)Reform
in Jugendhilfe und Ganztagsschule
Andreas
Langer Seite
87
Ganztägige
Bildung im Stadtteil (GB+S)
– Verbindliche
Kooperationen für Hamburgs Kinder und Jugendliche
-
Ein Konzept des PARITÄTISCHEN Hamburg.
Joachim
Speicher Seite 108
Dieses
Heft kann bei der HAW unter der E-Mail-Adresse
standpunkt_sozial@haw-hamburg.de
bestellt werden.
Es
kostet 10,- €
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Donnerstag, 2. Februar 2012
Expertenauskünfte im Hamburger Jugendhilfeausschuss
Am 31.01.2012 um 17.00 Uhr tagte der Hamburger Ausschuss für Familie und Jugend im Kaisersaal des Hamburger Rathaus. Hier wurden an diesem Tag verschiedene Auskunftspersonen zu den Umsteuerungsplänen im Bereich der Hilfen zur Erziehung durch die Mitglieder des Ausschusses gehört. Mit ein paar Mitstreitern haben wir eine kleine Mahnwache eines Hamburger Trägers genutzt, um per Flugblatt die Positionen unserer WJH ebenso an Politiker und interessierte Bürger zu verteilen. Unsere Flugblattaktion ging von 16.00 Uhr bis 17.00 Uhr.
Die Anhörung der Auskunftspersonen nahm ganze 4 Stunden von 17.00 Uhr bis 21.00 Uhr in Anspruch. In dem zum Bersten gefüllten Kaisersaal stellten sich Prof.Hinrichs, Prof.Wiesner, Prof. Lutz, Prof.Schrappers, Prof.Hinte, Hr.Nowak, Hr. Apitsch, den Fragen der Hamburger Politker im Ausschuss. Aus Sicht der WJH ist über die Expertenrunde folgendes zu bemerken: Bis auf die beiden Rechtsprofessoren Wiesner und Hinrichs, hat kein Experte festgestellt, dass der Impuls über eine Neuausrichtung der Hilfen zur Erziehung ein fiskalpolitischer Impuls ist. Keineswegs inhaltlich fachliche Gründe sind der Auslöser für alle Bestrebungen, die es auf Seiten von Politik und Fachbehörden und Kommunen gibt, die Hilfen zur Erziehung de facto auszuhöhlen. Rein ökonomische Gründe waren und sind der Auslöser für die PHANTOMDEBATTE, die hier auf einer pseudofachlichen Ebene geführt wird. Diesen Umstand der fiskalpolitischen Dominanz von Jugendhilfe und Sozialer Arbeit aufzudecken, sollte für jeden der diese Geisterdiskussion am 31.01.2012 verfolgt hat, künftig oberstes Ziel haben. Bemerkenswertes war auch hier das Wortgefecht zwischen Hinte und Hinrichs, als Prof. Hinrichs die juristische Dimension der geplanten Umsteuerung erläuterte und zu dem Schluss kam, dass die geplanten Maßnahmen nur schwerlich mit dem geltenden Recht zu vereinbaren seien, entgegnete Hinte, es wäre ja immer interessant juristische Positionen zu hören, aber dieses solle doch nicht der Gegenstand der Diskussion sein, sondern man solle in Hamburg doch anfangen über Inhalte zu sprechen. Unglaublich wie es sein kann, dass in einem Ausschuss der Legislative als eine der zentralen Mächte unser Demokratie, die Rechtsprechung auf die Auswechselbank geschickt wird. Fachliche Diskussionen in Abwesenheit einer rechtlichen Grundlage zu führen halten wir jedoch für einen Vorgang, der sich mit Demokratie nur schwer vereinbaren lässt. Im Weiteren seien hier ein paar bildliche Impressionen des 31.01.2012 eingefügt:
Die Anhörung der Auskunftspersonen nahm ganze 4 Stunden von 17.00 Uhr bis 21.00 Uhr in Anspruch. In dem zum Bersten gefüllten Kaisersaal stellten sich Prof.Hinrichs, Prof.Wiesner, Prof. Lutz, Prof.Schrappers, Prof.Hinte, Hr.Nowak, Hr. Apitsch, den Fragen der Hamburger Politker im Ausschuss. Aus Sicht der WJH ist über die Expertenrunde folgendes zu bemerken: Bis auf die beiden Rechtsprofessoren Wiesner und Hinrichs, hat kein Experte festgestellt, dass der Impuls über eine Neuausrichtung der Hilfen zur Erziehung ein fiskalpolitischer Impuls ist. Keineswegs inhaltlich fachliche Gründe sind der Auslöser für alle Bestrebungen, die es auf Seiten von Politik und Fachbehörden und Kommunen gibt, die Hilfen zur Erziehung de facto auszuhöhlen. Rein ökonomische Gründe waren und sind der Auslöser für die PHANTOMDEBATTE, die hier auf einer pseudofachlichen Ebene geführt wird. Diesen Umstand der fiskalpolitischen Dominanz von Jugendhilfe und Sozialer Arbeit aufzudecken, sollte für jeden der diese Geisterdiskussion am 31.01.2012 verfolgt hat, künftig oberstes Ziel haben. Bemerkenswertes war auch hier das Wortgefecht zwischen Hinte und Hinrichs, als Prof. Hinrichs die juristische Dimension der geplanten Umsteuerung erläuterte und zu dem Schluss kam, dass die geplanten Maßnahmen nur schwerlich mit dem geltenden Recht zu vereinbaren seien, entgegnete Hinte, es wäre ja immer interessant juristische Positionen zu hören, aber dieses solle doch nicht der Gegenstand der Diskussion sein, sondern man solle in Hamburg doch anfangen über Inhalte zu sprechen. Unglaublich wie es sein kann, dass in einem Ausschuss der Legislative als eine der zentralen Mächte unser Demokratie, die Rechtsprechung auf die Auswechselbank geschickt wird. Fachliche Diskussionen in Abwesenheit einer rechtlichen Grundlage zu führen halten wir jedoch für einen Vorgang, der sich mit Demokratie nur schwer vereinbaren lässt. Im Weiteren seien hier ein paar bildliche Impressionen des 31.01.2012 eingefügt:
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
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14:06:00
Freitag, 20. Januar 2012
Expertenrunde JHA Hamburg
MUST-SEE für alle Akteure in der Hamburger Jugendhilfe.!!!!!
Am 31.01.2012 um 17.00 Uhr im Kaisersaal des Hamburger Rathauses tagt der Jugendhilfeausschuss der Freien und Hansestadt Hamburg. In diesem Rahmen findet eine hochrangig besetzte Expertentrunde zum Thema der Sparmaßnahmen im Bereich der Hilfen zur Erziehung statt.
Ein Pflichttermin für alle Akteure der Jugendhilfe in Hamburg. Die Sitzung ist öffentlich.
Hier der Link zur Einladung:
EINLADUNG JHA HAMBURG
Am 31.01.2012 um 17.00 Uhr im Kaisersaal des Hamburger Rathauses tagt der Jugendhilfeausschuss der Freien und Hansestadt Hamburg. In diesem Rahmen findet eine hochrangig besetzte Expertentrunde zum Thema der Sparmaßnahmen im Bereich der Hilfen zur Erziehung statt.
Ein Pflichttermin für alle Akteure der Jugendhilfe in Hamburg. Die Sitzung ist öffentlich.
Hier der Link zur Einladung:
EINLADUNG JHA HAMBURG
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Sonntag, 1. Januar 2012
Hilfreich aber Teuer !
Der NDR berichtete in seinem Onlineangebot unter:
http://www.ndr.de/regional/hamburg/familienhilfe101.html (1)
über Bedeutung und aktuelle Situation der Familienhilfe in Hamburg.
Es werden hier wichtige und richtige Informationen über den aktuellen Stand und die rechtliche Rahmung in übersichtlicher Weise präsentiert, die auch für Fachfremde eine gute Grundlage bilden.
(1): Link zum NDR Onlineangebot www.ndr.de
http://www.ndr.de/regional/hamburg/familienhilfe101.html (1)
über Bedeutung und aktuelle Situation der Familienhilfe in Hamburg.
Es werden hier wichtige und richtige Informationen über den aktuellen Stand und die rechtliche Rahmung in übersichtlicher Weise präsentiert, die auch für Fachfremde eine gute Grundlage bilden.
(1): Link zum NDR Onlineangebot www.ndr.de
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Donnerstag, 1. Dezember 2011
Startseite » Themenbereiche » Kinder- und Jugendhilfe » Detailansicht Bedrohte Jugendhilfe.
Ein Kommentar, 28.11.2011 Von: Prof. Dr. Norbert Wohlfahrt
Unter dem Stichwort „Sozialraumorientierung“ findet nun schon seit geraumer Zeit eine Auseinandersetzung über die zukünftige Gestaltung kommunaler Sozial- und Jugendhilfeleistungen statt. Dabei wird von den Einen der emanzipatorische Charakter dieses Konzept gerühmt, dass endlich dem Gerangel um Fachleistungsstunden zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern ein Ende bereitet, während andere darauf hinweisen, dass sich die Entdeckung des Sozialraums schlichtweg den kommunalen Haushalten und ihren Sparzwängen verdankt. Sozialraumorientierung wird dabei zu so etwas wie einer Allzweckwaffe der in Finanznöten befindlichen Sozialdezernenten, weil mit dem Aktivieren der sog. Regeleinrichtungen (zumeist wird dabei an Schulen und Kindertagesstätten gedacht) die Hoffnung auf die Eingrenzung der kostentreibenden Entwicklung bei Einzelfallhilfen verbunden wird.
1.
Die kommunalen Aufgaben im Sozial- und Jugendbereich lassen sich in freiwillige und pflichtige Aufgaben unterscheiden. Erstere beziehen sich dabei i.d.R. auf infrastrukturelle Leistungen im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge, letztere auf Einzelfallhilfen im Rahmen gesetzlicher Verpflichtungen. Die „Freiwilligkeit“ der infrastrukturellen Leistungen ist keine Befreiung von entsprechenden Aufgaben, sondern verdankt sich schlicht der Überlegung, dass die örtliche Infrastruktur den jeweiligen Gegebenheiten gemäß entwickelt und ausgestaltet werden soll. Die in der Praxis beobachtbare Entgegensetzung von freiwilligen (können gestrichen werden) und pflichtigen (müssen leider vorgehalten werden) Leistungen ist Folge einer kommunalen Sparpraxis, die den Anspruch auf Ausgestaltung der kommunalen Daseinsvorsorge aufgegeben hat, weil die Haushalte nichts mehr hergeben.
2.
Dieser Tatbestand wird nun in einer Initiative der SPD-regierten A-Länder insofern auf den Kopf gestellt, weil der Rechtsanspruch auf Hilfen zur Erziehung vorrangig durch eine „Gewährleistungsverpflichtung des öffentlichen Jugendhilfeträgers“ ersetzt werden soll, wobei in Zukunft der Rechtsanspruch durch „ein verpflichtendes infrastrukturelles Angebot“ erfüllt werden soll. Hintergrund dieser Initiative ist die ungebremst ansteigende Fallzahlentwicklung bei den Hilfen zur Erziehung und die Unzufriedenheit der Kostenträger mit der Stellung freier Träger bei der Ausgestaltung des Hilfeangebots. Durch die vermehrte Nutzung sog. „sozialräumlicher Versorgungsverträge“ erhofft man sich zukünftig Spareffekte bei der Leistungserbringung, die dadurch verstärkt werden sollen, dass die „Regelinstitutionen“ Schule und Kindertagesstätten verstärkte jugendhilfespezifische Aufgaben übernehmen sollen.
3.
Die Ersetzung von individuellen Rechtsansprüchen durch infrastrukturelle Angebote im Sozialraum würde nicht nur für die betroffenen Kinder und Jugendlichen fundamentale Einschnitte bei notwendigen Hilfeleistungen mit sich bringen und die Gestalt der Jugendhilfe in Deutschland nachhaltig verändern, sie zeigt auch, warum das Konzept der Sozialraumorientierung auf kommunaler Ebene so begierig aufgegriffen wird: es ist jenseits seiner gemeinwesen- und bürgerschaftsorientierten Rhetorik ein wohlfeiles Steuerungsinstrument der Umgestaltung kommunaler Sozialpolitik unter Sparzwängen. Und als solches wird es eingesetzt, um die im Sozialraum vorfindlichen Institutionen zu Ausputzern nicht mehr zu finanzierender Aufgaben umzuwandeln, wohl wissend, dass diese dazu weder die Ressourcen, geschweige denn die fachlichen Kompetenzen haben.
4.
Es wird interessant sein zu verfolgen, wie die Leistungserbringer und ihre Verbände, die ja durch die Initiative der A-Länder direkt attackiert werden, auf diesen Vorgang reagieren. Die brutale Offenheit, mit der dasSozialraumkonzept zur Aushebelung individueller Rechtsansprüche herangezogen wird, könnte die Augen über dessen eigentliche Programmatik öffnen und die Debatte über die Jugendhilfe und ihre zukünftige Gestaltung neu eröffnen. Gespannt wird auch abzuwarten sein, wie sich diejenigen Vertreter der sozialen Arbeit äußern, die immer betonen, dass mit der Sozialraumorientierung nur eine Wiederbelebung verschütterter Ressourcen und Methodender sozialen Arbeit gemeint sei, aber keineswegs ein Plädoyer für kommunale Sparprogramme. Spätestens jetzt muss man davon ausgehen, dass jedem in Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit Tätigen klar sein muss, welchem Kontext und welcher Logik sich die gegenwärtige Konjunktur der Sozialraumorientierung verdankt.
------------------------
Autor
Prof. Dr. Norbert Wohlfahrt
Professor für Sozialmanagement, Verwaltung und Organisation an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-
Westfalen-Lippe
Rubrik: Allgemeine Nachricht, Kinder- und Jugendhilfe
Ein Kommentar, 28.11.2011 Von: Prof. Dr. Norbert Wohlfahrt
Unter dem Stichwort „Sozialraumorientierung“ findet nun schon seit geraumer Zeit eine Auseinandersetzung über die zukünftige Gestaltung kommunaler Sozial- und Jugendhilfeleistungen statt. Dabei wird von den Einen der emanzipatorische Charakter dieses Konzept gerühmt, dass endlich dem Gerangel um Fachleistungsstunden zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern ein Ende bereitet, während andere darauf hinweisen, dass sich die Entdeckung des Sozialraums schlichtweg den kommunalen Haushalten und ihren Sparzwängen verdankt. Sozialraumorientierung wird dabei zu so etwas wie einer Allzweckwaffe der in Finanznöten befindlichen Sozialdezernenten, weil mit dem Aktivieren der sog. Regeleinrichtungen (zumeist wird dabei an Schulen und Kindertagesstätten gedacht) die Hoffnung auf die Eingrenzung der kostentreibenden Entwicklung bei Einzelfallhilfen verbunden wird.
1.
Die kommunalen Aufgaben im Sozial- und Jugendbereich lassen sich in freiwillige und pflichtige Aufgaben unterscheiden. Erstere beziehen sich dabei i.d.R. auf infrastrukturelle Leistungen im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge, letztere auf Einzelfallhilfen im Rahmen gesetzlicher Verpflichtungen. Die „Freiwilligkeit“ der infrastrukturellen Leistungen ist keine Befreiung von entsprechenden Aufgaben, sondern verdankt sich schlicht der Überlegung, dass die örtliche Infrastruktur den jeweiligen Gegebenheiten gemäß entwickelt und ausgestaltet werden soll. Die in der Praxis beobachtbare Entgegensetzung von freiwilligen (können gestrichen werden) und pflichtigen (müssen leider vorgehalten werden) Leistungen ist Folge einer kommunalen Sparpraxis, die den Anspruch auf Ausgestaltung der kommunalen Daseinsvorsorge aufgegeben hat, weil die Haushalte nichts mehr hergeben.
2.
Dieser Tatbestand wird nun in einer Initiative der SPD-regierten A-Länder insofern auf den Kopf gestellt, weil der Rechtsanspruch auf Hilfen zur Erziehung vorrangig durch eine „Gewährleistungsverpflichtung des öffentlichen Jugendhilfeträgers“ ersetzt werden soll, wobei in Zukunft der Rechtsanspruch durch „ein verpflichtendes infrastrukturelles Angebot“ erfüllt werden soll. Hintergrund dieser Initiative ist die ungebremst ansteigende Fallzahlentwicklung bei den Hilfen zur Erziehung und die Unzufriedenheit der Kostenträger mit der Stellung freier Träger bei der Ausgestaltung des Hilfeangebots. Durch die vermehrte Nutzung sog. „sozialräumlicher Versorgungsverträge“ erhofft man sich zukünftig Spareffekte bei der Leistungserbringung, die dadurch verstärkt werden sollen, dass die „Regelinstitutionen“ Schule und Kindertagesstätten verstärkte jugendhilfespezifische Aufgaben übernehmen sollen.
3.
Die Ersetzung von individuellen Rechtsansprüchen durch infrastrukturelle Angebote im Sozialraum würde nicht nur für die betroffenen Kinder und Jugendlichen fundamentale Einschnitte bei notwendigen Hilfeleistungen mit sich bringen und die Gestalt der Jugendhilfe in Deutschland nachhaltig verändern, sie zeigt auch, warum das Konzept der Sozialraumorientierung auf kommunaler Ebene so begierig aufgegriffen wird: es ist jenseits seiner gemeinwesen- und bürgerschaftsorientierten Rhetorik ein wohlfeiles Steuerungsinstrument der Umgestaltung kommunaler Sozialpolitik unter Sparzwängen. Und als solches wird es eingesetzt, um die im Sozialraum vorfindlichen Institutionen zu Ausputzern nicht mehr zu finanzierender Aufgaben umzuwandeln, wohl wissend, dass diese dazu weder die Ressourcen, geschweige denn die fachlichen Kompetenzen haben.
4.
Es wird interessant sein zu verfolgen, wie die Leistungserbringer und ihre Verbände, die ja durch die Initiative der A-Länder direkt attackiert werden, auf diesen Vorgang reagieren. Die brutale Offenheit, mit der dasSozialraumkonzept zur Aushebelung individueller Rechtsansprüche herangezogen wird, könnte die Augen über dessen eigentliche Programmatik öffnen und die Debatte über die Jugendhilfe und ihre zukünftige Gestaltung neu eröffnen. Gespannt wird auch abzuwarten sein, wie sich diejenigen Vertreter der sozialen Arbeit äußern, die immer betonen, dass mit der Sozialraumorientierung nur eine Wiederbelebung verschütterter Ressourcen und Methodender sozialen Arbeit gemeint sei, aber keineswegs ein Plädoyer für kommunale Sparprogramme. Spätestens jetzt muss man davon ausgehen, dass jedem in Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit Tätigen klar sein muss, welchem Kontext und welcher Logik sich die gegenwärtige Konjunktur der Sozialraumorientierung verdankt.
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Autor
Prof. Dr. Norbert Wohlfahrt
Professor für Sozialmanagement, Verwaltung und Organisation an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-
Westfalen-Lippe
Rubrik: Allgemeine Nachricht, Kinder- und Jugendhilfe
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
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Dienstag, 29. November 2011
LIGA
DER SPITZENVERBÄNDE DER FREIEN WOHLFAHRTSPFLEGE IN BERLIN
DER SPITZENVERBÄNDE DER FREIEN WOHLFAHRTSPFLEGE IN BERLIN
Arbeiterwohlfahrt Landesverband Berlin e.V., Caritasverband für das Erzbistum Berlin e. V.,. Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
e.V., PARITÄTISCHER Landesverband Berlin e.V., DRK Landesverband Berliner Rotes Kreuz e.V., Jüdische Gemeinde zu Berlin KdöR
e.V., PARITÄTISCHER Landesverband Berlin e.V., DRK Landesverband Berliner Rotes Kreuz e.V., Jüdische Gemeinde zu Berlin KdöR
„Für einen seriösen Umgang mit den Hilfen zur Erziehung (HzE)“
Soziale Situation von Familien in Berlin
1. Die Bekämpfung der Erziehungsarmut ist ein Schlüssel zur Verhinderung von gescheiterten
Bildungsverläufen und dauerhaften Hartz-IV-Karrieren.
2. Die Hilfen zur Erziehung sind die öffentlichen Sozialleistungen, die auf die Bearbeitung
von familiären Erziehungsdefiziten ausgerichtet sind. Sie sind deshalb mit all ihren Formen
eine sinnvolle Zukunftsinvestition im Gefüge gleichfalls notwendiger Maßnahmen zur schulischen
und beruflichen Förderungen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Erfolge der Hilfen zur Erziehung erhöhen die Wirksamkeit in unseren Bildungssystemen.
3. Zu den zentralen Ursachen, die zum Einsatz einer Hilfe zur Erziehung führen, gehören
(drohende) Kinderschutzlagen und ein hoher Anteil konfliktträchtiger und unvollständiger
Familienkonstellationen. Nach jüngsten Studien1 ist die Wahrscheinlichkeit für eine Heim- unterbringung für Kinder und Jugendliche
- aus Stieffamilien 50 mal so hoch wie aus Familien mit beiden leiblichen Elternteilen
- von Alleinerziehenden 16 mal so hoch
- aus „Hartz-IV-Familien“ 12 mal so hoch
wie das entsprechende Risiko von Minderjährigen aus erwerbstätigen, vollständigen Familien.
Je höher die Zahl solcher Familienkonstellationen und Lebenslagen in einer Region ist, umso größer ist der erwartbare Bedarf an öffentlichen Erziehungshilfen. Diese hilfeauslösenden Familien-konstellationen und prekären Lebenslagen sind in Berlin überrepräsentiert.
Der Bildungsbericht Berlin-Brandenburg 2010 weist hierzu u.a. für Berlin aus, dass,
- ein Fünftel der mit Kindern in einem Haushalt lebenden Bezugspersonen nicht erwerbstätig ist (bundesweit trifft das auf ein Zehntel der Familien zu).
- verglichen mit Deutschland insgesamt, dreimal so häufig beide Ehepartner kein eigenes
Erwerbseinkommen haben (14%).
- ca. 21% der Kinder von der Risikolage „Bildungsarmut der Eltern“ betroffen sind.
- ein nicht unerheblicher Teil der Berliner Familien an oder unterhalb der Armutsgrenze
lebt (insbesondere sind Kinder unter 18 Jahren von Alleinerziehenden betroffen).
- 36% aller Kinder in Berlin von Armut betroffen sind und dabei das Armutsrisiko seit
2007 in Berlin um 6% zugenommen hat.
Diese Problemlagen denkt sich die sog. Hilfeindustrie nicht selbst aus. Sie reagiert konstruktiv
auf schwierige Lebenskonstellationen und die Hilfen zur Erziehung leisten einen wichtigen
Beitrag zum Miteinander in dieser Stadt und bieten Perspektiven für Kinder, Jugendliche,
junge Volljährige und Familien.
Die Fakten anerkennend muss es darum gehen, für eine auskömmliche Finanzierung der
Hilfen zur Erziehung zu sorgen. Das Procedere in den vergangenen Jahren hat immer wieder
schon weit vor dem Jahresende für problematische Diskussionen und hektische Reaktionen
in den Bezirken und auf Landesebene geführt.
Kostenentwicklung
1. Die Kosten für öffentliche Erziehungshilfen sind dabei nicht aus dem Ruder gelaufen. In
2010 lagen die Ausgaben mit 408 Millionen EUR um 42 Millionen EUR unter dem Niveau
von 2002. Wenn überhaupt, gibt es nur wenige Bereiche im Landeshaushalt, deren heutiges
Volumen unter dem Niveau von vor 10 Jahren liegt. Mit Ausnahme der Krisenunterbringungen
(+44%) sind die Ausgaben für stationäre Hilfen gegenüber 2009 um moderate 2 % gestiegen,
die für ambulante Hilfen sind konstant. Von einem, in die politische Diskussion immer
wieder eingebrachten ungesteuerten Anstieg der Kosten, kann keine Rede sein.
2. Die Erziehungshilfen in Berlin sind wesentlich billiger als in fast allen anderen deutschen
Großstädten. Dies belegen zwei Städtevergleiche aus den vergangenen Jahren. Während in
Berlin eine Hilfe zur Erziehung pro Fall 12.576 EUR kostet, zahlen die am Kennzahlenvergleich
der Universität Koblenz3 teilnehmenden Großstädte im Schnitt 15.150 EUR pro Fall –
rund 2600 EUR mehr. Ein Stadtstaatenvergleich vor fünf Jahren hatte schon für Berlin geringere
Fallkosten gegenüber Hamburg und Bremen belegt. Der Schlussbericht des Senats benannte
dazu u.a. als Ursachen den hohen Anteil ambulanter Hilfen und die Personal- und
Tarifstruktur, die unter den Niveaus von Hamburg und Bremen liegt.
3. Seit 2005 steigen die Fallzahlen wieder an und haben aktuell den Level von 2002 überschritten.
Dies, verbunden mit der o.g. Kostenentwicklung, macht deutlich, in welchem
Spannungsverhältnis heute in Berlin im Bereich der Hilfen zur Erziehung gearbeitet wird.
Nimmt man dann noch die soziale Situation Berlins hinzu (s.o.) verbietet sich u.E. die fachliche
und politische Behandlung der Hilfen zur Erziehung als Schmuddelkind.
Steuerung der HzE
1. Die sozialpädagogischen ambulanten, teilstationären und stationären Hilfen versuchen
seit Jahren durch die Weiterentwicklung ihrer Angebote und Leistungen Antworten auf den
oben beschriebenen Befund zu geben. Dabei besteht in der Unterschiedlichkeit der Landschaft
der Leistungsanbieter, die durch einen Kernbestand von ca. 250 Trägern aus dem Liga-
Bereich geprägt wird, eine große Ressource, deren Zahl seit Jahren weitgehend konstant
ist. Traditionsreiche Einrichtungen prägen die öffentliche Erziehung in Berlin seit fast 200
Jahren.
2. Es sollte gemeinsam nach Lösungen gesucht werden, die präventive Angebote und Unterstützungsmaßnahmen im Sozialraum ebenso im Blick hat, wie die auf den Einzelfall zugeschnittenen Hilfen zur Erziehung. HzE und Sozialraumorientierung dürfen nicht in ein Rangverhältnis gesetzt oder gegeneinander ausgespielt werden.4
Dort wo sinnvoll können auch Kooperationen zwischen professionellem Arbeiten und ehrenamtlichem Engagement insbesondere zur Stärkung regionaler Bezüge in den Blick genommen
werden.
3. Seit 2009 gibt es ein Fach- und Finanzcontrolling HzE mit Wirksamkeitserhebungen. Anstatt
kurzatmig immer wieder neue Steuerungslogiken zu erfinden, sollten die neu eingeführten
Instrumente ihren Nutzen erst einmal entfaltet können. Das eingerichtete Fach- und Finanz-controlling HzE hat sich aus unserer Sicht bewährt und sollte unbedingt fortgesetzt und
ausgeweitet werden. Wir sind der festen Überzeugung, dass man mit einer intensiveren zumindest
in verschiedenen Arbeitspaketen zeitweisen Beteiligung der freien Wohlfahrtspflege
konstruktiv gemeinsam zukünftige Angebote und Programme gestalten und über die Wirksamkeit
der Hilfen zur Erziehung diskutieren kann.
Wirkungsgrenzen der Hilfen zur Erziehung
1. Bei Ausschöpfung aller Verbesserungsmöglichkeiten der gegenwärtigen Steuerung verbleiben
auch für Hilfen zur Erziehung Wirkungsgrenzen. So gehört es zum gesicherten Forschungsstand5,
dass sich familiäre Bedingungen für (schulische) Bildungserfolge als zweimal
so groß erwiesen haben wie die Wirkungspotenziale qualitativ günstiger Leistungen von Kita
und Grundschule. Das bedeutet, die Fähigkeit von jungen Menschen, auf den eigenen Füßen zu stehen, wird in erster Linie durch die Erziehungsleistung der Eltern bestimmt. Dies gilt für die fördernde Kraft einer guten Kindheit wie die beeinträchtigende Wirkung elterlicher Passivität.
2. Die Wirksamkeit öffentlicher Bildungs- und Erziehungsanstrengungen wird durch die elterliche
Mitwirkung beeinflusst, selbst dann noch, wenn die Kinder in Heimen leben.
3. Wir halten trotzdem fest, dass die Anbieter der Hilfen zur Erziehung ihren Erziehungs- und
Bildungsauftrag an- und ernst nehmen. Dies gilt sowohl für die Führungs- als auch für die
Fachebene. Unser Interesse an einer seriösen Behandlung des Themas ist groß. Wir laden
zu konstruktiven und in die Zukunft gerichteten Diskussionen ein.
Berlin, im November 2011
Ansprechpartner
Arbeiterwohlfahrt LV Berlin e.V., Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V., Der PARITÄTISCHE Berlin, Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V.:
Deutsches Rotes Kreuz LV Berlin e.V., Jüdische Gemeinde zu Berlin
-------------------------------
1 Dr. Ulrich Bürger, KVJS Baden-Württemberg, in Forum Erziehungshilfe, Heft 5, 2010
2 Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2010
3 Kennzahlenvergleich 2009 Erzieherische Hilfen im IKO-Netz Vergleichsring
4 Siehe: Stellungnahme des SOS-Kinderdorf e.V. Deutschland vom 28.10.2011 zur Initiative „Wiedergewinnung
kommunalpolitischer Handlungsfähigkeit zur Ausgestaltung von Jugendhilfeleistungen“
5 u.a. Tietze zur Ausgleichbarkeit von familienbedingten Bildungsunterschieden
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
um
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Freitag, 25. November 2011
Kein Geld! Kein Schutz! Keine HILFE!
Kinderrechte
Bundesrat stimmt Bundeskinderschutzgesetz nicht zu
Kristina Schröder: "Blockadehaltung der Länder beim Bundeskinderschutzgesetz ist verantwortungslos"
Mehr zu: Föderalismus, Jugendschutz, Kinderrechte, Sonderthemen
Berlin, 25.11.2011 - Das von der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina
Schröder, vorgelegte neue Bundeskinderschutzgesetz hat heute (Freitag) im
Bundesrat keine Mehrheit der Stimmen bekommen. Zudem konnten sich die Länder
nicht auf die Anrufung des Vermittlungsausschusses verständigen, so dass das
Gesetz blockiert ist. Der Deutsche Bundestag hingegen hatte das Gesetz Ende
Oktober ohne Gegenstimme beschlossen und auch in der Fachwelt war das Gesetz
einhellig begrüßt worden.
"Es macht mich traurig, dass sich einige Länder aus
parteipolitischem Kalkül
dringend notwendigen Verbesserungen im Kinderschutz verweigern. Aber ich
bleibe
entschlossen, das Kinderschutzgesetz so schnell wie möglich in Kraft zu
setzen.
Deshalb werde ich noch heute die Anrufung des Vermittlungsausschusses
durch die
Bundesregierung angehen", sagte Bundesfamilienministerin Kristina
Schröder heute
in Berlin. "Fachlich sind sich alle einig, dass wir mit dem
Bundeskinderschutzgesetz eine neue Qualität im Kinderschutz erreichen
können. Die Länder tragen nun die Verantwortung, dass das
Bundeskinderschutzgesetz nicht zum 1. Januar 2012 in Kraft treten kann."In den letzten Wochen war die Bundesregierung den Ländern weit entgegen gekommen und hatte in einer Protokollerklärung die dauerhafte Finanzierung der Familienhebammen sowie finanzielle Entlastungen für die Kommunen angeboten. Letztlich hat die Blockadehaltung der SPD-geführten Länder das zügige in Kraft treten des Gesetzes verhindert.
"Die Länder müssen sich jetzt fragen lassen, wie der Kinderschutz in Deutschland ohne dieses Gesetz weiter voran gebracht werden soll", sagte Bundesfamilienministerin Schröder. "Ein gemeinsames Konzept der Länder zum Kinderschutz ist nicht erkennbar. Das wird die weiteren Gespräche sehr belasten."
Das vom Bundestag beschlossene Bundeskinderschutzgesetz hätte Prävention und Intervention gleichermaßen vorangebracht. Es steht für bessere Unterstützungsangebote für Familien, Eltern und Kinder, mehr Zusammenarbeit der relevanten Akteure und starke Netzwerke. Von den Kinderärzten, Familienhebammen, Jugendämtern bis hin zu den Familiengerichten - alle sollten einbezogen werden, um Risiken und Gefahren für Kinder und Jugendliche aktiv vorzubeugen oder diese wirksam abzuwenden. Durch die Blockadehaltung einiger Länder können diese Regelungen nun nicht in Kraft treten.
Konkret sah das Gesetz Regelungen zum Schutz von Kindern in folgenden Bereichen vor:
- Frühe Hilfen und Netzwerke für werdende Eltern
Das Gesetz schafft die rechtliche Grundlage dafür, leicht zugängliche Hilfeangebote für Familien vor und nach der Geburt und in den ersten Lebensjahren des Kindes flächendeckend und auf einem hohen Niveau einzuführen bzw. zu verstetigen. Alle wichtigen Akteure im Kinderschutz - wie Jugendämter, Schulen, Gesundheitsämter, Krankenhäuser, Ärztinnen und Ärzte, Schwangerschaftsberatungsstellen und Polizei - werden in einem Kooperationsnetzwerk zusammengeführt. - Stärkung des Einsatzes von Familienhebammen
Das Bundesfamilienministerium wird mit einer Bundesinitiative ab 2012 vier Jahre lang jährlich 30 Millionen Euro zum Ausbau des Einsatzes von Familienhebammen zur Verfügung zu stellen. - Ausschluss einschlägig Vorbestrafter von Tätigkeiten in der Kinder- und Jugendhilfe
- Alle hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der öffentlichen und freien Jugendhilfe müssen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Ehrenamtliche vereinbaren mit den Trägern, für welche Tätigkeiten dies nötig ist.
- Befugnisnorm für Berufsgeheimnisträger zur Informationsweitergabe an das Jugendamt
Häufig ist eine Kindesgefährdung für Ärzte oder andere so genannten Berufsgeheimnisträgern als erste erkennbar. Das Gesetz bietet erstmals eine klare Regelung, die einerseits die Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patient schützt, andererseits aber auch die Weitergabe wichtiger Informationen an das Jugendamt ermöglicht. - Regelung zum Hausbesuch
Der Hausbesuch soll zur Pflicht werden - allerdings nur dann, wenn er nach fachlicher Einschätzung erforderlich ist und der Schutz des Kindes dadurch nicht gefährdet wird. - Verbindliche Standards in der Kinder- und Jugendhilfe
Eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung wird künftig in allen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe zur Pflicht. Dabei geht es insbesondere um die Entwicklung, Anwendung und Überprüfung von Standards für die Sicherung der Rechte von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen und ihren Schutz vor Gewalt. An die Umsetzung von Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung und -sicherung soll sich auch die Finanzierung aus öffentlichen Mitteln knüpfen.
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Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
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Mittwoch, 23. November 2011
Sozialarbeiter, das „Schmierfett“ der Gesellschaft
Folgender Artikel entnommen und zitiert von " http://www.nachdenkseiten.de/?p=11394&mid=5372117 "
Ich bin seit etwa 15 Jahren in der Sozialen Arbeit tätig (Dipl. Sozialpädagoge/Sozialarbeiter) und habe verschiedene Berufsfelder kennengelernt.
Ich hatte das Pech, direkt in der Zeit des Niedergangs der Sozialen Arbeit in diese Profession geraten zu sein (Ökonomisierung, Kolonialisierung durch das System, etc.).
Meine Eltern, beide Erzieher im öffentlichen Dienst seit über 25 Jahren, konnten vernünftig von ihrem Gehalt leben (Hauskauf, Abbezahlt bis zur Rente, hoher Lebensstandart ohne Angst vorm Alter)…den ökonomischen Druck freilich haben auch sie gespürt, ähnlich einer Schraubzwinge, die immer fester zugreift. Stressbedingte Krankheiten inklusive. Aber, sie haben es geschafft.
Ich dagegen habe nun nach etwa 15 Jahren in der Sozialen Arbeit meinen ersten unbefristeten Anstellungsvertrag bekommen und arbeite seit 2 Jahren bei einem kleinen, etwas sozialistisch geprägten Bildungsträger im Berliner Wedding. Ich habe hier im Soldiner Kiez auch schon 5 Jahre gelebt, in der Koloniestraße. Hier in Berlin gilt diese Gegend als berüchtigt. Noch vor wenigen Jahren haben sich die Gangs dieser überwiegend durch Menschen mit arabischen Hintergrund geprägten Wohngegend auf offener Straße erschossen und Raub und Mord standen auf der Tagesordnung.
Das Projekt “Soziale Stadt” brachte hier den Wandel. Intensive Betreuung des Stadtteils zeigten Erfolge, das scharfe Eingreifen der Polizei zerstreute die Banden (Die meisten Anführer mussten lange Haftstrafen verbüßen). Der Kiez war im Aufbau als ich dort hin zog. Ich arbeitete etwa 2 Jahre als Schulsozialarbeiter an den Oberschulen entlang der Pankstraße in Wedding. Die Theodor-Plivier-Oberschule und die Oberschule-Am-Brunnenplatz. Jeweils eine ganze Stelle pro Schule. Diese Schulen waren in großen Schwierigkeiten, ähnlich der Rütlischule damals, aber eigentlich geht es fast allen Oberschulen ähnlich, zumindest in den Problemvierteln.
In diesen Schulen lernt man nicht mehr, man kämpft die ganze Zeit. Um Geduld, um Aufmerksamkeit, um Anerkennung, um Ruhe…ein ewiger Kampf. Die Lehrer sind erschöpft. Viele von ihnen methodisch und didaktisch total überfordert mit dieser Art Schülerschaft. Sie sind zu wenige und von den wenigen werden viele auch noch Stressbedingt krank. Der Rest kämpft meist verbissen ums Überleben. Mangelnder Respekt vor den Lehrern bis hin zu offenen Drohungen, Erpressung, Dealerei, Gewalt auf dem Schulhof und bei den Schülern ist eine Neigung zur Schulverweigerung weit verbreitet. Etliche verlassen die Schulen ohne Abschluss.
Nach der Schulsozialarbeit übernahm ich mit einer Kollegin zusammen ein Jugendzentrum direkt in meiner Straße, Ecke Kolonie-/Soldienerstraße. Die Jugendbanden hatten das Jugendzentrum, das ehemals unter staatlicher Trägerschaft stand, gesprengt. Die Sozialarbeiter kamen mit den massiven Gewaltübergriffen und dem Druck durch die Gangs nicht klar und verließen nach und nach das Jugendzentrum, bis es ganz geschlossen wurde und nun in freie Trägerschaft übergehen sollte.
Mein damaliger Träger gewann die Ausschreibung und aus ehemals 5 eingeplanten Vollzeitstellen, wurden 2 x 30 Std. Stellen. Diese wurden jeweils mit etwa 1250 Euro brutto vergütet. Unser Träger hingegen konnte bei diesem Geschäft wunderbare Gewinne einstreichen. Er darf als gemeinnütziger Träger zwar keine Gewinne erzielen, um sie auszuschütten, aber er darf erzielte Gewinne reinvestieren. Dieser Träger kauft sich z.B. gerne Gebäude und bezahlt seine höchsten Angestellten in der Etappe bei weitem nicht so mies, wie seine Mitarbeiter an der Front. Das, so habe ich gelernt, nennt man Sozial Management! Ich musste mich von diesem Träger nach kurzer Zeit trennen, obwohl mir die Arbeit in meinem “eigenen” Jugendclub sehr gefiel, doch das Gehalt sank immer weiter, es wurde immer weiter eingespart und gepresst, da habe ich dann irgendwann aufgegeben und bin gegangen.
Nun bin ich bei besagten Bildungsträger, immer noch im Kiez und immer noch gerne hier im Wedding. Allerdings wohne ich hier nicht mehr, das wurde meiner Freundin doch zu unheimlich hier. Nachts mit der U-Bahn und durch (kaputtgesparte) dunkle Straßen? In manchen Vierteln ein Risiko in Berlin.
Mein Träger bewirbt sich sowohl auf Ausschreibungen für Maßnahmen des Jobcenters, als auch um Projekte des ESF (Europäischer Sozial Fond). Das sind unsere Hauptarbeitsfelder. Eine Hälfte des Teams betreut und qualifiziert Erwachsene, ich mit der anderen Hälfte betreue und schule Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren. Wir bereiten sie auf die externen Schulprüfungen der Stadt Berlin vor, bei denen sie den einfachen und erweiterten Hauptschulabschluss, sowie den mittleren Schulabschluss mit einer staatlichen Prüfung nachholen können. Die meisten haben keinen, oder einen sehr schlechten Hauptschulabschluss, aber es gibt auch viele, die hier bei uns auf den mittleren Abschluss hinarbeiten.
Bei uns sind die absoluten „Knaller“. Oft Jugendliche die kaum eine Schule von innen gesehen haben. Oft mehrfach vorbestraft, manche auf Freigang. Wir arbeiten mit der Jugendgerichtshilfe, dem Jobcenter, dem Jugendamt und diverser anderer Träger Sozialer Dienste zusammen und stehen bei Bedarf auch mit den Sozialarbeitern im Gefängnis, den Eltern der Jugendlichen oder den Anwälten in Kontakt. Wir rufen im Notfall die Härtefallkommission an oder begleiten die Jungs zur Ausländerbehörde oder ins Gericht. Wir sind ein Team aus überwiegend Sozialarbeitern und Lehrern. Wir sind ein gutes Beispiel dafür, dass ein Träger, der seine Angestellten gut behandelt und Teams mit Bedacht und unter Einbindung der Mitarbeiter bildet, auch großen Erfolg bei der Arbeit haben kann. Dennoch: Trotz aller Erfolge, trotz des guten Klimas bei der Arbeit, wir, die wir an der Basis dieser gesellschaftlichen Pathologien arbeiten, sehen den Abgrund auf den wir zurasen genau. Die Soziale Arbeit dieser Zeit wurde von einem Kollegen von mir auf den Punkt gebracht: “Wir”, sagte er, “sind das Schmierfett der Gesellschaft”. Klingt banal, aber wenn man länger drüber nachdenkt…
Exakt während meiner “Karriere” in der Sozialen Arbeit hat sich diese, ähnlich wie der Rest unseres Landes, auf bizarre Art verändert. Gerade als sich die Profession als “Sozialarbeitswissenschaft” eine eigene handlungswissenschaftliche Disziplin schaffen wollte, kam die Ökonomisierung mit Neusprech und normierten Beobachtungsbögen. Mensch, mehre deinen Nutzwert. Der Staat gab seine Einrichtungen und Aufgaben an nun freie Träger der Wohlfahrtshilfe. Die “Alteingesessenen” AWO, CARITAS; DIAKONIE; usw. wurden nervös. Schnell kroch der Kapitalismus in alle Ecken und die angedachte, anregende “Trägervielfalt” verkam zu großen Monopolen. Korruption und Veruntreuung, wohin man auch schaut.
Der kleine Mitarbeiter in diesem “Sozial Management Betrieb” wird mit unangemessenen Löhnen ausgebeutet und kann praktisch zu keiner Zeit den Idealen der professionellen Sozialen Arbeit gerecht werden, die noch vor gar nicht so langer Zeit, das “Jahrhundert der sozialen Arbeit” ausgerufen hat. Wir hatten damals die Chance eine echte Wissenschaft zu werden. Eine eigene Ethik, einen eigenen Forschungsgegenstand, eine eigene Definitionshoheit in unserer Profession. Nichts davon ist geblieben. Die getroffenen Positionsbestimmungen der akademischen Impulsgeber haben uns an das Monster verraten.
Nun sind wir für “Soziale Probleme” zuständig und was ein “Soziales Problem” ist, das sagt uns der Staat. Der gleiche Staat, das System, das unsere “Klienten” zu Hauf ins Unglück drängt, beauftragt uns, sie zu ”disziplinieren”, sie auf “Kurs” zu bringen, “Fit” zu machen…usw. Für Menschlichkeiten zahlt aber keiner, nur für Fallzahlen. Wir sind das Schmierfett der Gesellschaft.
Unsere Aufgabe ist es den sozialen Frieden, den “Status Quo” aufrecht zu erhalten. Wenn dabei noch ein paar “verwertbare” Individuen rauskommen, umso besser. Da der Sozialarbeiter, ebenso wie der Pfleger oder Erzieher, keine “Werte” produziert – es wird ja nichts verkauft, nicht wahr? – so hat auch der Sozialarbeiter, Erzieher, Pfleger an sich keinen Wert. Ganz im Gegenteil. Er ist potentiell gefährlich. Denn würde er sich auf das besinnen, was unsere Profession im Kern eigentlich ausmacht; käme er zurück auf die altruistisch/humanistischen Wurzeln der Sozialen Arbeit, der grandiosen theoretischen Aufbauarbeit unserer Vordenker, nicht nur aus den Bezugswissenschaften der Soziologie und Philosophie, sondern auch aus unserer eigener Profession (z.B. die lebensweltorientierte Soziale Arbeit nach Thiersch 1992). Würden wir das alles, was uns in diese neue, aufregende Wissenschaft mitgegeben wurde verstehen und auch umsetzen…herje, wir wären eine echte Gefahr für das Establishment. Wir wären Kämpfer im Namen “Lebenswelt”. Wir würden zusammen mit der Soziologie (Protosoziologie) das destruktive Wirken des “Systems” auf die Lebenswelt untersuchen, dokumentieren. Wir wären auf der Seite der Menschen, die unter diesem System leiden. Wir würden uns verbandlich organisieren, politisch wirken, öffentlich Stellung beziehen, Nachhaltig und ganzheitlich arbeiten und forschen. Wir wären der Chefankläger dieses Menschenverachtenden Systems…denn wir sind es, die bei den Menschen sind und alles “erleben” was sie erleben…
Doch nichts davon ist geblieben…Wir sind das Schmierfett der Gesellschaft…
Als damals die Gewalt in England eskalierte, die sogenannten Riots, da fragten hier alle, ob das auch bei uns passieren könnte. Hat da jemand mal die Sozialarbeiter gefragt? Natürlich nicht! Unter mir und meinen Kollegen herrscht Einigkeit diesbezüglich…unter der Oberfläche brodelt es bei weitem mehr als die Öffentlichkeit wissen möchte…deshalb wird auch nicht gefragt – clever.
Mechthild Seithes Appell an meine Kollegen kann ich nur unterstützen. Wenn wir uns gegen diese Instrumentalisierung nicht wehren, scheitern wir als Professionelle und als Menschen. Ich möchte nicht als Schmierfett enden…
23. November 2011 um 8:56 Uhr
Sozialarbeiter, das „Schmierfett“ der Gesellschaft
Verantwortlich: Wolfgang Lieb | Druckversion | Beitrag versenden | < zurück Als damals die Gewalt in England eskalierte, die sogenannten Riots, da fragten hier alle, ob das auch bei uns passieren könnte. Hat da jemand mal die Sozialarbeiter gefragt? Natürlich nicht! Unter mir und meinen Kollegen herrscht Einigkeit diesbezüglich…unter der Oberfläche brodelt es bei weitem mehr als die Öffentlichkeit wissen möchte…deshalb werden wir auch nicht gefragt – clever! Von Tim Schumacher.Ich bin seit etwa 15 Jahren in der Sozialen Arbeit tätig (Dipl. Sozialpädagoge/Sozialarbeiter) und habe verschiedene Berufsfelder kennengelernt.
Ich hatte das Pech, direkt in der Zeit des Niedergangs der Sozialen Arbeit in diese Profession geraten zu sein (Ökonomisierung, Kolonialisierung durch das System, etc.).
Meine Eltern, beide Erzieher im öffentlichen Dienst seit über 25 Jahren, konnten vernünftig von ihrem Gehalt leben (Hauskauf, Abbezahlt bis zur Rente, hoher Lebensstandart ohne Angst vorm Alter)…den ökonomischen Druck freilich haben auch sie gespürt, ähnlich einer Schraubzwinge, die immer fester zugreift. Stressbedingte Krankheiten inklusive. Aber, sie haben es geschafft.
Ich dagegen habe nun nach etwa 15 Jahren in der Sozialen Arbeit meinen ersten unbefristeten Anstellungsvertrag bekommen und arbeite seit 2 Jahren bei einem kleinen, etwas sozialistisch geprägten Bildungsträger im Berliner Wedding. Ich habe hier im Soldiner Kiez auch schon 5 Jahre gelebt, in der Koloniestraße. Hier in Berlin gilt diese Gegend als berüchtigt. Noch vor wenigen Jahren haben sich die Gangs dieser überwiegend durch Menschen mit arabischen Hintergrund geprägten Wohngegend auf offener Straße erschossen und Raub und Mord standen auf der Tagesordnung.
Das Projekt “Soziale Stadt” brachte hier den Wandel. Intensive Betreuung des Stadtteils zeigten Erfolge, das scharfe Eingreifen der Polizei zerstreute die Banden (Die meisten Anführer mussten lange Haftstrafen verbüßen). Der Kiez war im Aufbau als ich dort hin zog. Ich arbeitete etwa 2 Jahre als Schulsozialarbeiter an den Oberschulen entlang der Pankstraße in Wedding. Die Theodor-Plivier-Oberschule und die Oberschule-Am-Brunnenplatz. Jeweils eine ganze Stelle pro Schule. Diese Schulen waren in großen Schwierigkeiten, ähnlich der Rütlischule damals, aber eigentlich geht es fast allen Oberschulen ähnlich, zumindest in den Problemvierteln.
In diesen Schulen lernt man nicht mehr, man kämpft die ganze Zeit. Um Geduld, um Aufmerksamkeit, um Anerkennung, um Ruhe…ein ewiger Kampf. Die Lehrer sind erschöpft. Viele von ihnen methodisch und didaktisch total überfordert mit dieser Art Schülerschaft. Sie sind zu wenige und von den wenigen werden viele auch noch Stressbedingt krank. Der Rest kämpft meist verbissen ums Überleben. Mangelnder Respekt vor den Lehrern bis hin zu offenen Drohungen, Erpressung, Dealerei, Gewalt auf dem Schulhof und bei den Schülern ist eine Neigung zur Schulverweigerung weit verbreitet. Etliche verlassen die Schulen ohne Abschluss.
Nach der Schulsozialarbeit übernahm ich mit einer Kollegin zusammen ein Jugendzentrum direkt in meiner Straße, Ecke Kolonie-/Soldienerstraße. Die Jugendbanden hatten das Jugendzentrum, das ehemals unter staatlicher Trägerschaft stand, gesprengt. Die Sozialarbeiter kamen mit den massiven Gewaltübergriffen und dem Druck durch die Gangs nicht klar und verließen nach und nach das Jugendzentrum, bis es ganz geschlossen wurde und nun in freie Trägerschaft übergehen sollte.
Mein damaliger Träger gewann die Ausschreibung und aus ehemals 5 eingeplanten Vollzeitstellen, wurden 2 x 30 Std. Stellen. Diese wurden jeweils mit etwa 1250 Euro brutto vergütet. Unser Träger hingegen konnte bei diesem Geschäft wunderbare Gewinne einstreichen. Er darf als gemeinnütziger Träger zwar keine Gewinne erzielen, um sie auszuschütten, aber er darf erzielte Gewinne reinvestieren. Dieser Träger kauft sich z.B. gerne Gebäude und bezahlt seine höchsten Angestellten in der Etappe bei weitem nicht so mies, wie seine Mitarbeiter an der Front. Das, so habe ich gelernt, nennt man Sozial Management! Ich musste mich von diesem Träger nach kurzer Zeit trennen, obwohl mir die Arbeit in meinem “eigenen” Jugendclub sehr gefiel, doch das Gehalt sank immer weiter, es wurde immer weiter eingespart und gepresst, da habe ich dann irgendwann aufgegeben und bin gegangen.
Nun bin ich bei besagten Bildungsträger, immer noch im Kiez und immer noch gerne hier im Wedding. Allerdings wohne ich hier nicht mehr, das wurde meiner Freundin doch zu unheimlich hier. Nachts mit der U-Bahn und durch (kaputtgesparte) dunkle Straßen? In manchen Vierteln ein Risiko in Berlin.
Mein Träger bewirbt sich sowohl auf Ausschreibungen für Maßnahmen des Jobcenters, als auch um Projekte des ESF (Europäischer Sozial Fond). Das sind unsere Hauptarbeitsfelder. Eine Hälfte des Teams betreut und qualifiziert Erwachsene, ich mit der anderen Hälfte betreue und schule Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren. Wir bereiten sie auf die externen Schulprüfungen der Stadt Berlin vor, bei denen sie den einfachen und erweiterten Hauptschulabschluss, sowie den mittleren Schulabschluss mit einer staatlichen Prüfung nachholen können. Die meisten haben keinen, oder einen sehr schlechten Hauptschulabschluss, aber es gibt auch viele, die hier bei uns auf den mittleren Abschluss hinarbeiten.
Bei uns sind die absoluten „Knaller“. Oft Jugendliche die kaum eine Schule von innen gesehen haben. Oft mehrfach vorbestraft, manche auf Freigang. Wir arbeiten mit der Jugendgerichtshilfe, dem Jobcenter, dem Jugendamt und diverser anderer Träger Sozialer Dienste zusammen und stehen bei Bedarf auch mit den Sozialarbeitern im Gefängnis, den Eltern der Jugendlichen oder den Anwälten in Kontakt. Wir rufen im Notfall die Härtefallkommission an oder begleiten die Jungs zur Ausländerbehörde oder ins Gericht. Wir sind ein Team aus überwiegend Sozialarbeitern und Lehrern. Wir sind ein gutes Beispiel dafür, dass ein Träger, der seine Angestellten gut behandelt und Teams mit Bedacht und unter Einbindung der Mitarbeiter bildet, auch großen Erfolg bei der Arbeit haben kann. Dennoch: Trotz aller Erfolge, trotz des guten Klimas bei der Arbeit, wir, die wir an der Basis dieser gesellschaftlichen Pathologien arbeiten, sehen den Abgrund auf den wir zurasen genau. Die Soziale Arbeit dieser Zeit wurde von einem Kollegen von mir auf den Punkt gebracht: “Wir”, sagte er, “sind das Schmierfett der Gesellschaft”. Klingt banal, aber wenn man länger drüber nachdenkt…
Exakt während meiner “Karriere” in der Sozialen Arbeit hat sich diese, ähnlich wie der Rest unseres Landes, auf bizarre Art verändert. Gerade als sich die Profession als “Sozialarbeitswissenschaft” eine eigene handlungswissenschaftliche Disziplin schaffen wollte, kam die Ökonomisierung mit Neusprech und normierten Beobachtungsbögen. Mensch, mehre deinen Nutzwert. Der Staat gab seine Einrichtungen und Aufgaben an nun freie Träger der Wohlfahrtshilfe. Die “Alteingesessenen” AWO, CARITAS; DIAKONIE; usw. wurden nervös. Schnell kroch der Kapitalismus in alle Ecken und die angedachte, anregende “Trägervielfalt” verkam zu großen Monopolen. Korruption und Veruntreuung, wohin man auch schaut.
Der kleine Mitarbeiter in diesem “Sozial Management Betrieb” wird mit unangemessenen Löhnen ausgebeutet und kann praktisch zu keiner Zeit den Idealen der professionellen Sozialen Arbeit gerecht werden, die noch vor gar nicht so langer Zeit, das “Jahrhundert der sozialen Arbeit” ausgerufen hat. Wir hatten damals die Chance eine echte Wissenschaft zu werden. Eine eigene Ethik, einen eigenen Forschungsgegenstand, eine eigene Definitionshoheit in unserer Profession. Nichts davon ist geblieben. Die getroffenen Positionsbestimmungen der akademischen Impulsgeber haben uns an das Monster verraten.
Nun sind wir für “Soziale Probleme” zuständig und was ein “Soziales Problem” ist, das sagt uns der Staat. Der gleiche Staat, das System, das unsere “Klienten” zu Hauf ins Unglück drängt, beauftragt uns, sie zu ”disziplinieren”, sie auf “Kurs” zu bringen, “Fit” zu machen…usw. Für Menschlichkeiten zahlt aber keiner, nur für Fallzahlen. Wir sind das Schmierfett der Gesellschaft.
Unsere Aufgabe ist es den sozialen Frieden, den “Status Quo” aufrecht zu erhalten. Wenn dabei noch ein paar “verwertbare” Individuen rauskommen, umso besser. Da der Sozialarbeiter, ebenso wie der Pfleger oder Erzieher, keine “Werte” produziert – es wird ja nichts verkauft, nicht wahr? – so hat auch der Sozialarbeiter, Erzieher, Pfleger an sich keinen Wert. Ganz im Gegenteil. Er ist potentiell gefährlich. Denn würde er sich auf das besinnen, was unsere Profession im Kern eigentlich ausmacht; käme er zurück auf die altruistisch/humanistischen Wurzeln der Sozialen Arbeit, der grandiosen theoretischen Aufbauarbeit unserer Vordenker, nicht nur aus den Bezugswissenschaften der Soziologie und Philosophie, sondern auch aus unserer eigener Profession (z.B. die lebensweltorientierte Soziale Arbeit nach Thiersch 1992). Würden wir das alles, was uns in diese neue, aufregende Wissenschaft mitgegeben wurde verstehen und auch umsetzen…herje, wir wären eine echte Gefahr für das Establishment. Wir wären Kämpfer im Namen “Lebenswelt”. Wir würden zusammen mit der Soziologie (Protosoziologie) das destruktive Wirken des “Systems” auf die Lebenswelt untersuchen, dokumentieren. Wir wären auf der Seite der Menschen, die unter diesem System leiden. Wir würden uns verbandlich organisieren, politisch wirken, öffentlich Stellung beziehen, Nachhaltig und ganzheitlich arbeiten und forschen. Wir wären der Chefankläger dieses Menschenverachtenden Systems…denn wir sind es, die bei den Menschen sind und alles “erleben” was sie erleben…
Doch nichts davon ist geblieben…Wir sind das Schmierfett der Gesellschaft…
Als damals die Gewalt in England eskalierte, die sogenannten Riots, da fragten hier alle, ob das auch bei uns passieren könnte. Hat da jemand mal die Sozialarbeiter gefragt? Natürlich nicht! Unter mir und meinen Kollegen herrscht Einigkeit diesbezüglich…unter der Oberfläche brodelt es bei weitem mehr als die Öffentlichkeit wissen möchte…deshalb wird auch nicht gefragt – clever.
Mechthild Seithes Appell an meine Kollegen kann ich nur unterstützen. Wenn wir uns gegen diese Instrumentalisierung nicht wehren, scheitern wir als Professionelle und als Menschen. Ich möchte nicht als Schmierfett enden…
(1) Zitat: http://www.nachdenkseiten.de/?p=11394&mid=5372117
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Dienstag, 22. November 2011
Mein Klientel geht nicht freiwillig zu einem Gruppenangebot
Zitat aus der Bergedorfer Zeitung vom 21.11.2011 von Jugend- und Familienrichter Masch
".... Was aber fehlt den jugendlichen Straftätern? „Sie kennen weder Empathie noch Mitleid noch andere gesellschaftliche Regeln. Wir müssen die Jungs an die Hand nehmen, sie brauchen Erziehung“, sagt der Richter, der jährlich etwa sechsmal eine geschlossene Unterbringung anordnet. Die kostet zwar schon allein ohne Therapiestunden 300 Euro am Tag, aber Masch mag den politischen Wunsch, stationäre Hilfen zur Erziehung einzusparen, nicht teilen: „Mein Klientel geht nicht freiwillig zu einem Gruppenangebot im Kinder- und Familienhilfezentrum......." (1)
(1) Zitat aus: http://www.bergedorfer-zeitung.de/bergedorf/article127698/Pruegeln_ist_tabu_Bergedorfs_Jugend_benimmt_sich_besser.html
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"Sozialraum kein Ersatz für Rechtsansprüche"
Der Deutsche Berufsverband Soziale Arbeit Landesverband Hamburg äußert sich zur Umsteuerung in der Hamburger Jugendhilfe. Bericht entnommen und wörtlich zitiert von:
http://dbsh-hamburg.de/2011/11/%e2%80%9esozialraum%e2%80%9c-kein-ersatz-fur-rechtsanspruche/
„Sozialraum“ kein Ersatz für Rechtsansprüche
Geschrieben am 17. November 2011
Die SPD-regierten Länder („A-Länder“) wollen
gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden u. A. Rechtsansprüche auf
Hilfeleistungen für Kinder, Jugendliche und Familien abschaffen. Dieser
im KJHG (SGB VIII) festgeschriebene individuelle Rechtsanspruch soll
durch eine Gewährleistungsverpflichtung ersetzt werden. Damit verbunden
sollen die Angebote der Jugendhilfe unter dem Stichwort „Sozialraum“ mit
dem Ziel des Ausgleichs sozialer Benachteiligung an die
„Regelinstitutionen“ (frühe Hilfen, Kindertagesbetreuung und Schulen)
angebunden werden, die individuelle Einzelhilfe solle zur Ausnahme
werden. Am 4. November veranstalten die zuständigen Staatssekretäre in
Berlin einen sogenannten „Expertenworkshop“, der entsprechende
Gesetzesvorschläge erarbeiten soll. Fach- /Berufsverbände,
Wissenschaftler und Gewerkschaften kritisieren, dass Experten/innen der
Jugendhilfe aber nicht eingeladen wurden. Eine Delegation von Fachleuten
aus ganz Deutschland trifft sich morgen um 11:00 Uhr am Tagungsort der
Staatssekretäre vor der Hamburgischen Landesvertretung um Fachlichkeit
in der Kinder- und Jugendhilfe Gehör zu verschaffen.Zum Hintergrund:
In dem entsprechenden Initiativpapier heißt es zur Begründung: „Die Ausgestaltung des Hilfeangebots als individueller Rechtsanspruch und die starke Stellung freier Träger bei der Ausgestaltung des Hilfeangebotes macht dieses System immer teurer“. Daneben würde es Hinweise geben, dass die SPFH in vielen Fällen ins Leere laufe. Dagegen könnten wirksamere und kostengünstigere sozialräumliche Alternative nicht ausgebaut werden, weil diese nicht als Pflichtaufgaben definiert seien. Ferner wird in dem Papier ein „Wildwuchs freier Träger“ und eine „Dynamik zur wirkungslosen Praxis“ beklagt.
Prof. Dr. Michael Böwer, Leiter des Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe im Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit: „Für diese Behauptungen gibt es keine Belege. Vielerorts sind Bereiche der Jugendhilfe soweit zurück gefahren worden, dass nur noch reaktive Hilfestellungen angeboten werden. Die Haushaltslage vieler Kommunen hat sich längst auf die Qualität der Kinder- und Jugendhilfen niedergeschlagen. Da der Ausbau der Kita-Plätze für unter Dreijährige und im Kindesschutz zu Mehrausgaben führt, springt man, rhetorisch gezielt verpackt, auf die Kostenbremse.“
In den vergangenen Jahren haben die Kommunen bis dahin kommunale Aufgaben ausgeschrieben und an Wohlfahrtsverbände und verstärkt auch private Anbieter möglichst preiswert vergeben. Zugleich wurde der Kernbereich der fallbezogenen Jugendhilfe, der ASD, personell zusehends ausgedünnt und zudem bürokratisiert. Man sah das Heil in der Beauftragung freier Träger, oftmals ohne partizipative sozialpädagogische Diagnostik und kleinschrittiger Zielprüfung beauftragter Maßnahmen. Hinzu kommt das Fehlen ausreichend konkreter qualitativer Vorgaben in der Ausschreibung und entsprechender Dialoge – denn auch das hätte zusätzlichen Aufwand gekostet. Als Alternative wird nun auf Regeleinrichtungen wie Schule, Kindergärten und Familienberatungen verwiesen, die bereits jetzt mit ihren wachsenden Aufgaben überaus gefordert sind.
„Dass alles wissen auch die Fachleute in den Länderministerien. Tatsächlich werden Ihnen die Rechte von Kindern, Jugendlichen und Familien schlichtweg zu teuer. In Folge wird ein Systembruch einkalkuliert, der uns nicht nur in Form neuer Skandale einholen wird. Die Jugendhilfe würde zur reinen Ordnungsbürokratie zusammengestampft und die Rechte von Kindern und Jugendlichen auf Persönlichkeitsentwicklung außerhalb schulischer Normen hätten kaum noch Bedeutung mehr“, kommentiert Wilfried Nodes, Pressesprecher des DBSH den Versuch der Staatssekretäre.
Der Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe im Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit fordert dagegen:
• „Wir wehren uns gegen alle Versuche, die Rechtsansprüche des Kinder- und Jugendhilfegesetzes auszuhebeln oder umzuinterpretieren.
• Natürlich begrüßen wir eine Selbstverpflichtung der Kommunen zu gewährleisten, dass sich die Sozialräume und vorhandene Regeleinrichtungen besonders der Förderung von Kindern, Jugendlichen und Familien und nicht nur ihren ursprünglichen Aufgaben stellen. Aber weder kann dadurch der Rechtsanspruch aufgelöst werden, noch werden dadurch individuelle und von den Betroffenen wählbare Hilfen überflüssig.
• Will man den Sozialraum „aktivieren“, dann müssen aber ohnehin bereits hoch geforderte Einrichtungen wie Schule und Kitas besser ausgestattet und qualifiziert werden. Das spart erst mal kein Geld, sondern kostet.
• Die Kollegen im „fallführenden“ ASD benötigen wieder mehr Zeit, um die Einzelfälle zu begleiten und die richtigen Hilfen im Dialog von Fachkräften und Betroffenen heraus zu arbeiten.
• Erst auf der Basis von fachlichen Standards und klaren Zielsetzungen kann mit freien Trägern subsidiäre Zusammenarbeit in Hilfen (Sozialpäd. Familienhilfe, Einzelförderung, usw.) erfolgen.
• Wir fordern, dass wir bei der Diskussion, die hier geführt wird, als sozialpädagogische Fachkräfte einbezogen werden.
• Wir fordern, dass die qualitative Struktur der Jugendhilfe wieder so gestaltet wird, dass wir Fachkräfte angemessene Arbeitsbedingungen vorfinden, die die eigene körperliche wie psychische Gesundheit sichern.“
Eingestellt von
Wirkungsvolle Jugendhilfe - Gegen die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
um
08:27:00
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